reisen - # 1 - Rød pølse - oktober 2016

 

 

Feiertag sei Dank - aus vier Wochentagen machen wir eine knappe Woche Kurzurlaub. Lemmy will Poelser, ich will Wellen, logo - wir fahren an Dänemarks Nordseeküste. Versorgt mit ein paar Tips von Freunden & Kollegen (DA! Brauerei! DA! Steilufer! DA! Ruhe! DA! Imbiss!) soll es nach Süddänemark und Mitteljütland gehen.

Weil das Wetter am Samstag noch ziemlich mau ist, die Wettervorhersage auch nix Dolles voraussagt, lassen wir uns viel Zeit und fahren ganz gemütlich am Sonntag los. B76, A7 und Grenzkontrollen hinter Flensburg verheissen eine Menge Staus, also nehmen wir die andere Richtung quer durch's Land und dann nach rechts Richtung Norden. Alle Strassen frei, kein einziger Stau :) Vom Start weg haben wir ziemliches Glück mit dem Wetter - die Sonne scheint, der Himmel zeigt sich von seiner besten Seite, es ist ziemlich windig, nur ab und zu regnet es ordentlich. Na, macht nichts, wir sitzen ja im warmen Auto.  

Die Fahrt über die Grenze ist völlig unspektakulär, ich sehe nicht einmal Grenzposten (die sollen aber "abrufbereit" in einem Auto sitzen). Mit der "maps.me"-App sind wir ab jetzt auf digitales Kartenmaterial angewiesen - das war ja noch nie da! Bisher hatte ich auf dem Beifahrersitz immer auch Karten in Papierform dabei, da kann man so schön mit dem Finger den Weg mitfahren. Jetzt also ohne, und sogar ohne Internet-Verbindung, die Karten haben wir noch in Deutschland heruntergeladen. Die Navigation ist auf diese Weise etwas komplizierter - jedenfalls, wenn man vergisst, die Standortfunktion zu aktivieren - geht aber auch. Wir finden die gesuchten Geldautomaten und holen uns ein paar Kronen. Brötchen beim Bäcker würden wir dann doch nicht mit Kreditkarte zahlen wollen (auch, wenn es hier möglich und wohl auch fast schon üblich ist).

An der Kreuzung nach Röm machen wir den ersten Halt: Der Imbiss "Perlen" verspricht auf den Interneseiten die heiß begehrten Pölser. Leider sind sie auf der "Menükarte" im Laden nicht zu finden, also nehmen wir Burger. Auch sehr lecker. Wie wir später sehen, hätten wir wahrscheinlich nur nach den HotDogs fragen müssen, am Nachbartisch gibt's welche. Gut gesättigt fahren wir weiter, wir wollen heute noch nach Hvide Sande, das haben uns "die Kieler" empfohlen. In Esbjerg falle ich das nächste Mal auf die App rein, der Flughafen ist nicht da, wo er sein sollte,  wir fahren in ein großes Gewerbegebiet, statt auf die Umgehungsstrasse, die erste Autobahnabfahrt ist auch weg... Irgendwie kommen wir aber wieder raus aus der Nummer und landen tatsächlich auf der Küstenstrasse nach Norden.

Bisher dachte ich, Dänemark sei ein flaches Land mit viel Strand und vielen Wiesen. Ist es nicht. Jedenfalls nicht nur. Es ist manchmal sehr hügelig (das merke ich dann auch bald beim Fahrradfahren...), ausserdem geht es hier durch dunkelgrüne Waldabschnitte, zum Teil kommen wir uns vor wie in der Lüneburger Heide. Und Ferienhäuser gibt es hier - en masse! Ganze Siedlungen mit ziemlich großen Bungalows. Alles voll.

Direkt an der Küste sehen wir dann endlich die Dünen - DAS ist Dänemark!

Inzwischen regnet es in einer Tour, die Gegend um Hvide Sande ist grau und nass. Und es ist VOLL hier! Was soll das denn? Lauter Touris, igitt ;)

Wir stellen uns auf den zweiten der beiden Wohnmobilstellplätze. Der erste Platz ist eher eine Art unbefestigter Not-Parkplatz für maximal zwei Fahrzeuge, und dann auch noch im geschäftigen Fischereihafen - danke, nein. Die Alternative hier hat Platz für geschätzt 50 Fahrzeuge und liegt direkt an einer großen Düne, etwas abseits vom Hafen. Das muss ein Paradies für Surfer sein! Hinter dir die Nordsee, vor dir der geschützte Ringköbing Fjord - da ist bestimmt für alle Klassen etwas dabei. Uns gefällt es hier allerdings nicht so dolle. Es schüttet wie aus Kübeln, ohne Neopren kann man eigentlich gar nicht raus und es ist erst 17.00 Uhr. Was machen wir denn jetzt? Im Regen shoppen? Näääääh. Gleich zwei Dinge, für die wir nicht so zu haben sind... Obwohl der Ort an sich tatsächlich recht schnuckelig zu sein scheint. Naja, ein anderes Mal vielleicht, wenn die Sonne scheint. Hier und jetzt nehmen wir nehmen den zweiten Tip in Angriff, ein Kollege empfahl uns "Bovbjerg Fyr", das ist etwa 60 km entfernt. Also los. Weiter immer an den Dünen entlang bzw. zwischen den Dünen durch. Und guck'! Dahinten wird's heller! Als wir, natürlich mit ein paar Extra-Schlenkern, vor dem Leuchtturm stehen, reisst der Himmel endgültig auf.

Wir machen erstmal eine Pause und vertreten uns die Beine. Es ist frisch und windig und "T-Shirt" ist eindeutig die falsche Wahl. T-Shirt und Fleecejacke  träfe es besser. Der Turm steht an der Steilküste, von hier aus kann man a) ordentlich gucken und b) runter an den Strand. Mit einem Seil... Seil?!? Habt ihr 'ne Macke?!? Es ist steil, der Boden nass, lehmig, glitschig - nee, lass' mal, wir nehmen morgen die Treppe. Was mich ein wenig wundert, sind zum Einen die fehlenden Warn- und Verbotsschilder, wie wir sie vom Brodtener Steilufer in Deutschland kennen (dies verboten, das verboten, Achtung da - hier kloppen sie sogar ein Seil in den Boden, an dem man sich runterhangeln kann!). Zum Anderen sind es die fehlenden Wellen. Ich hatte eigentlich gedacht, ich könnte hier pazifikmäßige große Wellen ablichten. Nix da. Es herrscht Ostwind. Schade... Wie auch immer, die Überlegung "parken wir hier oder fahren wir zum Campingplatz" fällt nicht schwer. Der BovbjergCampingPlatz ist kaum zwei Kilometer entfernt und hat noch geöffnet. Man spricht deutsch (!), wir können sogar noch Brötchen für morgen bestellen (!!) und wir haben den Blick auf's Meer (!!!) -  hier bleiben wir zwei Nächte! Zum Abendesssen gibt es statt Pölser selbstgemachtes Sandwich und einen tollen Ausblick.

Am nächsten Tag hole ich im schönsten Sonnenschein die Brötchen und nehme auch gleich noch ein Glas "Den Gamle Fabrik Jordbaer" vom Platz-Shop mit (Marmelade zuhause vergessen... also echt...). Klasse, in dem kleinen Lädchen gibt's fast alles. Und nett sind sie hier sowieso.

Nach dem Frühstück schwingen wir uns auf die Fahrräder, erstmal zum Leuchtturm. Tolle Fahrradwege gibt es hier, sogar mit Rückenwind (noch... ). Die Räder stellen wir kurz ab und stiefeln die steile Treppe zum Strand runter. Von unten begucken wir uns noch einmal das Seil, an dem man auch hätte runterkraxeln können... Nein. Zu steil, zu rutschig. Dann wieder die Treppe rauf und weiter mit unserer Tour rund um den Ferring See.

Wir fahren abseits der Strasse auf einem Fuss- und Radweg, zum Teil durch den feinen Dünensand (naja, da schieben wir) zwischen See und Nordsee entlang. Dolle Gegend hier. Und wieder alles voller Ferienbutzen. Gestern dachte ich noch kurz "och, guck' mal, ein niedliches Fischerdorf", aber bei genauem Hingucken ist das auch wieder eine Feriensiedlung mit hübschen Bungalows. Ca. 10 % davon stehen zum Verkauf.

Leider hat das Touristeneck (-> Info, Imbiss, Geschenkeshop) schon Saisonende, so wird es wieder nichts mit den HotDogs. Nach ein paar mehr Kilometern gegen den Wind und die "Berge" hoch und runter werden mir die Beine mau, die Lust am Radfahren lässt langsam nach, es wird kalt (Mütze! Ich musste eine Mütze gegen den kalten Wind aufsetzen!), und soooo schön ist die Gegend abseits des Sees auch nicht. Ausserdem ist gerade frische Gülle auf den Äckern - lecker... Wir nehmen also wieder die Panoramaroute am See entlang und fahren zurück zum Campingplatz. Dort gibt es Kaffee, ich finde noch einen Protein-Riegel von der vorletzten Enduro-Saison, den gibt's dazu, wir essen unsere Sandwiches... und dann haben wir gar keine Lust mehr, nochmal extra und nur der Pölser wegen mit dem Wagen loszufahren. Stattdessen geniessen wir die Sonne im Windschatten hinter dem Auto und gehen gegen Abend zum Strand. Sind ja man nur 300 m oder so. Hier erwischen wir auch endlich die ein oder andere Welle (obwohl das echt schwer ist: Hältste drauf, gibt's keine Welle, guckste weg, siehste aus den Augenwinkeln die perfekte Gischt).

Wir geniessen noch ein halbes Stündchen Sonne, Wind, Wärme und Meer und gehen kurz vor Sonnenuntergang zurück zum Wagen. Dienstagmorgen, nach den Brötchen, fahren wir weiter die Küste hoch, immer der Sonne hinterher. Kurz ein Stückchen ins Landesinnere (weil es auf der Küstenstrasse nach Norden keine Brücke gibt), dann weiter durch den Nationalpark Thy nach Hanstholm. Dünen, Meer, Fischereihafen, sonst nix. Ach doch, ein Bunkermuseum. Kann man wohl gucken, muss man aber nicht. Wir müssen nicht. Stattdessen müssen wir hier endlich den ersten Pölser! Zwar nur von der Tanke, aber immerhin. Der Ort haut uns also nicht so vom Hocker. Aber warte mal, da war doch vorhin ein Schild nach Klitmöller - war da nicht irgendwas? Wir sind neugierig, fahren hin und das ist genau richtig! Nystrup Campingplatz am Strand (naja, 300 m), Riesenplatzauswahl, wieder nette Leute, Sonne satt und Wind.

Auf Anraten der Platzwartin (? Sagt man so?) fahren wir mit dem Rad zum Surfspot. Jep! DAS war's, dafür ist der Ort bekannt. Nennt sich auch "Cold Hawaii". Alles was das Surferherz begehrt: Parkplätze, hippe Surfshops, Fish'n'Chips (leider haben die schon zu), Wellen, Sonne. Trotzdem ist es, zumindest auf dem Wasser, leer, wahrscheinlich sind wir zu spät hier. Ein paar Surfer laufen noch in Neopren durch die Gegend, die anderen scheinen schon umgezogen und aufgewärmt zu sein. Wir knipsen ein paar Bilder, fahren zurück zum Wagen (muss ich erwähnen, dass es durch eine weitere Ferienhaussiedlung geht?) und nehmen einen Kaffee + Keks. Eine Stunde vor Sonnenuntergang fahren wir zum Strand und begeben uns in Lauerstellung. Zunächst ist mal Fremdschämen angesagt - hier liegt noch jede Menge Kriegsmüll herum. Ich hab' den Scheiß hier zwar nicht rumliegen lassen, aber peinlich ist es mir trotzdem. Wenigstens sind die Bunker von der Sonne so aufgeheizt, dass wir uns die Rücken wärmen können.

Wir verbringen einige Zeit mit fotografieren, aufwärmen, Strand gucken, Wellen gucken und DANN

Ist das der Hammer? Wir können gar nicht genug bekommen. (Naja, irgendwie 'müssen' wir ja die 500 Bilder in vier Tagen auch schiessen...) Nachdem die Sonne im Meer verschwindet, verschwinden wir ganz schnell im WoMo - ist das frisch! Aber hey - wozu haben wir eine Heizung? Leider haut die soviel Strom durch und die Zweitbatterie lädt nicht so, wie sie soll, so dass wir die Heizung bald wieder ausmachen müssen, damit wir noch Chance auf morgendliches Heizen haben. Da stimmt doch etwas nicht? Der Wagen hängt am Stromnetz und bekommt keinen Saft? Das lässt Lemmy keine Ruhe und -schwupps- verschwindet er mit der Telefon-Taschenlampe im Sicherungskasten. Nach einiger Zeit ist klar: Die Sicherung ist hinterhältig am Rand durch (also da, wo man es nur sieht, wenn man sie rauspuhlt). "Wir hatten doch noch.... wo sind denn nur... hast du die Sicherungen gesehen?... Keller? Wieso Keller? ... Ah, hier ist noch eine!" Schwein gehabt! Sicherung rein, Strom läuft wie er soll, jetzt gehen auch Licht und Heizung wieder. Klasse! Schliesslich sind's nachts 4°C. Niedrige Temperaturen - keine Wolken: Der nächste Morgen glänzt wieder mit Sonne. Im "Surfercamp" sind über Nacht auch ein paar Wohnmobile eingetroffen. Ich hatte gedacht, dass die drolligen Hütten als Nachtlager dienen, vielleicht sind sie aber auch nur eine Trockenstelle für Board und Segel? Oder Umkleidekabinen? Keine Ahnung...

Wir verlassen diese schöne Gegend, ganz langsam müssen wir den Heimweg antreten, wollen aber noch ein bisschen die Ostküste "erkunden". Quer durch das Land fahren wir Richtung Thisted, danach an viel Wasser entlang nach Norden bis nach Aalborg. Hier rollen wir durch's Zentrum, wir wollen wenigstens mal kurz gucken, wie es hier aussieht. Gemütlich, so scheint es, mit alten Fachwerkhäusern und neuen Glasbauten. Weiter geht es auf schnellerem Weg (= Autobahn) nach Aarhus, das soll der nächste und letzte Stop werden. Die Autobahn ist langweilig, die Gegend drumrum hauptsächlich grün und hügelig. In Aarhus fahren wir zunächst zum Freilichtmuseum "Den Gamly By" (= Die alte Stadt). Hier gibt es die letzten dänischen Jahrhunderte in Hausform mit Inhalt zu sehen. Soll heissen: Die Dänen haben Originalhäuser ab- und im Museum wieder aufgebaut. Dann haben sie die Häuser und Strassen mit Leben gefüllt: Wohnungen originalgetreu nachempfunden und mit kurzen Filmeinspielungen versehen, Hinterhöfe mit entsprechenden Gerätschaften ausstaffiert (Kutsche bis VW Käfer), selbst der Automat mit den Süßigkeiten fehlt nicht. Und weil wir in Dänemark sind, natürlich auch nicht der Automat mit den Schmuddelheften für 1 Krone. (Nein, wir probieren nicht aus, ob sie funktionieren.) Wir besuchen als erstes die 70er-Jahre-Häuser, ausgeschmückt mit den Wohnungen einer Kommune, einer Vorzeigefamilie, einem Jazz-Keller, einem Tante-Emma-Laden (mit Ariel im Schaufenster!) und so weiter. Wie früher, nur der Geruch nach Bohnerwachs fehlt. Klasse Idee, klasse Umsetzung. Sogar ein kleiner typischer Pölserwagen steht da - leider hat er geschlossen.

Etwas durchgefroren von Schatten und Wind und mit runden Füssen suchen wir den Campingplatz Blommehaven südlich von Aarhus auf.  Wir dürfen wieder direkt am Wasser stehen, es lebe die Nachsaison! Vorher - nützt nix - müssen wir aber nochmal schnell zurück zum Aarhuser Hafen, da ist ein Pölser-Stand!  Das war nötig, seit dem Frühstück haben wir nichts mehr gegessen. Mit vollem Magen fahren wir wieder zurück zum Standplatz und ich nutze noch schnell die letzten Sonnenstrahlen für ein paar Fotos. Dann wird's zu kalt und der Abend eingeläutet (= Tür zu, Heizung an, Schlafsack über die Beine). Bei strammem Ostwind zieht es im Wagen durch alle Ritzen, die wir glücklicherweise mit Geschirrtüchern stopfen können.

Die ganze Nacht zerrt der Wind am Auto und rauscht in den Bäumen, das beruhigende Wuuusch-Wuuusch der Nordsee ist dem Grundrauschen der kappeligen Ostsee gewichen. Eine ziemlich unruhige Nacht liegt hinter uns, der Morgen ist grau und vom erhofften Sonnenaufgang nichts zu sehen. Auch gut, dann fällt der Abschied nicht ganz so schwer. Ein Stückchen Landstrasse, ab Kolding Autobahn und heimwärts. Doch HALT - eine Empfehlung lautet ja noch: Annies Kiosk in Krusau! ("Wie, den kennt ihr nicht?! Dann wart ihr nicht in Dänemark!") Die Uhrzeit passt, also hin da. Und JO, ab sofort ist das die Anlaufstelle für Dänemark-Besuche. Lecker HotDogs, lecker Pommes (mit Hagelsalz! Das fällt so schön auf den Tellerboden und verklebt nicht mit den Pommes), tolle Aussicht. Das ist den Abstecher wert. Nur vom Kaffee sollte man nicht zuviel erwarten. Die Fahrt nach Hause ist typisch: Kaum über die Grenze fängt es an zu regnen, die Strassen sind rott und alle Naslang gibt es Baustellen. Immerhin sind sie in Eckernförde endlich fertig ;)

Ich denke, aus den viereinhalb Tagen haben wir einiges rausgeholt: 1.200 km, 500 Fotos (eine kleine Auswahl hier), Sonne satt, Erholung pur, neue Erkenntnisse. Und die Ahnung: Da könnten wir glatt nochmal hinfahren, ist ja fast um die Ecke :)

 

Ach ja, rote Pölser hatten wir übrigens gar nicht - die Farbe scheint auch hier nicht mehr erlaubt zu sein. Ist wohl auch gesünder so...

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